01.04.2009

Kulturpreis Baden-Württemberg 2009: Die Sieger stehen fest

Stuttgart, 01.04.09: Clytus Gottwald und zwei Nachwuchschöre werden am 16. Juni im Stuttgarter Wilhelma-Theater ausgezeichnet. Der Musikwissenschaftler, Alt-Kantor, Theologe und Soziologe Clytus Gottwald ist Hauptpreisträger des Kulturpreises Baden-Württemberg 2009. Der 83-jährige wird damit für sein herausragendes Lebenswerk ausgezeichnet. Den Förderpreis teilen sich mit dem Kinder- und Jugendchor Ulmer Spatzen und der Christophorus Kantorei Altensteig (Kreis Calw) zwei Nachwuchschöre. Der Kulturpreis Baden-Württemberg wird alle zwei Jahre von der Landesstiftung und den Volksbanken Raiffeisenbanken vergeben. Im Mittelpunkt des diesjährigen Wettbewerbs stand die Chormusik. Die Gewinner bekommen ihre Preise am 16. Juni im Rahmen einer Galaveranstaltung im Stuttgarter Wilhelma-Theater überreicht.

Als Ende September 2008 die Ausschreibungsfrist für den Kulturpreis 2009 endete, stand die Jury vor einer großen Aufgabe: Sie musste 93 Vorschläge begutachten und dann ihre Entscheidungen treffen: Welche Kandidaten heben sich durch ihre Einzigartigkeit ab? Welche Strahlkraft tragen sie in ihre Umgebung? Am Ende waren die Jurymitglieder einhellig der Meinung, in Clytus Gottwald den idealen Hauptpreisträger gefunden zu haben. "Mit Clytus Gottwald und den Nachwuchschören ist es der Jury gelungen, eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen", freut sich Herbert Moser, der Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg, über die Entscheidung der Juroren. "Die Jury hat mit ihrer Empfehlung demonstriert, dass sich Ehrgeiz und Erfolg schon in jungen Jahren auszeichnen können." Außerdem, so Moser, sei Clytus Gottwald der lebendige Beweis dafür, dass Alter kein Hinderungsgrund sei, um erfolgreich an der Verwirklichung seiner Ziele zu arbeiten.

"Wir möchten mit diesem Preis das Bewusstsein für die regionale Kultur stärken", sagte Verbandsdirektor Herbert Schindler, Vorstandsmitglied des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes. "Die Förderung der Kunst ist den Volksbanken und Raiffeisenbanken ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Und als genossenschaftliche Banken sind sie mit der Region, in der sie tätig sind, besonders eng verbunden."

Der Hauptpreisträger
Clytus Gottwald, Jahrgang 1925, studierte nach der Kriegsgefangenschaft zunächst Gesang und Chorleitung. Es folgte ein Studium der evangelischen Theologie, Soziologie und Musikwissenschaft in Tübingen und Frankfurt, wo er 1961 promovierte. Zwischen 1958 und 1970 war Gottwald Kantor an der Paulus-Kirche in Stuttgart, nebenbei gründete er 1960 die Schola Cantorum Stuttgart, ein Ensemble von Berufssängern. Mit diesem Projekt wollte Gottwald die Vereinbarkeit von Neuer Musik und Chormusik wiederherstellen. Der Chor existierte bis 1990 und trat bis dahin weltweit bei allen maßgeblichen Konzerten der Neuen Musik auf. Zwischen 1967 und 1988 war er Redakteur für Neue Musik beim SDR in Stuttgart und absolvierte parallel dazu eine Reihe von Gastdirigaten, unter anderem bei den Radiochören in Paris, Stockholm, Helsinki und Amsterdam. Mehr als 20 Jahre lang, von 1961 bis 2004, arbeitete Clytus Gottwald als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) auf dem Gebiet der musikalischen Paläographie. Die Jury des Kulturpreises Baden-Württemberg begründete ihre klare Entscheidung, Gottwald zum Träger des Hauptpreises zu küren, mit seinem "herausragenden singulären Lebenswerk". Das Preisgeld ist mit 20.000 Euro dotiert.

Die Förderpreisträger
Die Christophorus Kantorei ist der Chor des Christophorus-Gymnasiums Altensteig. Das Ensemble wurde 1962 gegründet und umfasst 85 Sängerinnen und Sänger. An Nachwuchs mangelt es nicht, weil die Talente bereits ab der 4. Klasse systematisch gefördert und ab dem Alter von 15 Jahren in die Kantorei integriert werden. Der Chor unter der Leitung von Michael Nonnenmann gibt jährlich rund 40 Konzerte im In- und Ausland und unternimmt jedes Frühjahr eine 14-tägige Tournee. Das Repertoire des Ensembles umfasst eine große Spannbreite geistlicher und weltlicher A-cappella-Musik, die bis dato auf rund zwei Dutzend Schallplatten und CDs aufgenommen wurde. Die Christophorus-Kantorei hat in ihrer mehr als 40-jährigen Geschichte bei der Teilnahme an nationalen und internationalen Wettbewerben eine Vielzahl von Preisen gewonnen, so zum Beispiel beim Landeschorwettbewerb Baden-Württemberg und beim Festival Internacional de Música in Cantonigròs / Spanien (2005). Die Jury hob "die besondere Breite und Ausstrahlung sowie die beachtliche künstlerische Leistung" hervor, die die Arbeit der Christophorus-Kantorei charakterisieren.

Der Kinder- und Jugendchor Ulmer Spatzen ist seit seiner Gründung im Jahr 1958 musikalischer Botschafter der Stadt Ulm. Das Ensemble besteht derzeit aus einem Vor- sowie einem Kinder-, Jugend- und Kammerchor. Das Repertoire umfasst Werke von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Chormusik. Gerade in diesem Bereich gelangten zahlreiche, eigens für den Konzertchor komponierte Auftragswerke mit großem Erfolg zur Uraufführung. Neben den erzielten Spitzenleistungen pflegt der Chor unter Leitung von Hans de Gilde in Ergänzung zum schulischen Musikunterreicht eine vorbildliche Breiten- und Nachwuchsarbeit im Vor- und Kinderchor sowie mit der individuellen Stimmbildung. Die Spatzen haben jährlich etwa 50 Auftritte und halten ihre Arbeit regelmäßig auf Tonträgern fest. Nach Ansicht der Jury besticht der Chor durch seine "ehrliche, fröhliche Chorarbeit sowie das große Engagement der Eltern".
Die Christophorus Kantorei und die Ulmer Spatzen teilen sich das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.

Die im Jahr 2002 gegründete "Stiftung Kulturpreis Baden-Württemberg" der Volksbanken Raiffeisenbanken und der Landesstiftung Baden-Württemberg vergibt den Preis alle zwei Jahre im thematischen Wechsel. Er ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert und teilt sich grundsätzlich in einen Haupt- und einen Förderpreis. Ausgezeichnet werden herausragende Leistungen in den Bereichen Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Film/Neue Medien, Literatur und Musik. Die Preisträger müssen einen erkennbaren Bezug zum Land Baden-Württemberg aufweisen.

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